Presse

Der Neue Tag

Von Rudolf Barrois

Die Demaskierung der Unmenschlichkeit

Laienspielschar Windischeschenbach glänzt zun Jubiläum mit Bertholt Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“

Neuhaus. Er ist ein ordinärer, aber durchaus herzhafter und streckenweise sogar sympathischer Typ, dieser Puntila, wenn er betrunken ist. Nüchtern entlarvt er sich als bösartiger, tückischer Kapitalist. Die Laienspielschar Windischeschenbach brachte diese Figur Bertholt Brechts zum 40-jährigen Jubiläum auf die Freilichtbühne von Neuhaus. Und er hätte seine Freude daran gehabt, wie die Windischeschenbacher sein Stück „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ spielen.

Dieser Puntila, den Hannes Rupprecht hinreißend hautnah und treffend charakterisiert, hat wirklich diese zwei Seelen in seiner Brust: im Suff verlobt er seine Tochter Eva mit dem Chauffeur Matti statt mit dem lächerlichen Attache. Er verlobt sich gleich mit vier jungen Frauen, um sie wenig später vom Hof zu jagen. Er beleidigt alte Freunde, stellt Gesinde ein, entlässt es wieder. Schließlich wird Puntila entlarvt. Sein Knecht Matti, den Siegfried Blödt konsequent und sympathisch verkörpert, wird ihm zum Abschied den Satz sagen: „Der Schlimmste bist du nicht, den ich getroffen, denn du bist fast ein Mensch, wenn du besoffen …“

Regisseur Markus Rupprecht ist nicht der Versuchung erlegen, das Stück komödiantisch zu spielen, obwohl turbulente Szenen und Situationen auch Anlass zum Lachen geben. Rupprecht inszenierte einen Dialog mit dem Publikum, nahm diese Intentionen des Dichters sogar wörtlich. Die Gegensätze und Widersprüche werden plastisch, nacherlebbar, menschlich und das Gegenteil davon. Er lässt den roten Surkkala mit seinen zehn Kindern auftreten, verschärft den Aberwitz der Situation beim Fest durch das Gespräch zwischen Pröpstin und Köchin.

Der Handlungsstrang wird dabei keinen Augenblick vernachlässigt. Puntila und sein Knecht bleiben die zentralen Konfliktfiguren. Sie werden sekundiert von entsprechenden Typen: der blasierte Advokat (glänzend: Ludwig Müller), der stockkonservative haltlose Richter (von einem überragenden Herrmann Zeitler gespielt), der Attache ( Mattias Gebhardt macht ihn zu einer echten Karrikatur), der Probst (Gerald Wildgans zeichnet ihn messerschrf), Renate Schönberger mimt die Eva mit leidenschaftlicher Intuition.

Das Team der windischeschenbacher Laiendarsteller erweist sich klug geführt von einem hochbegabten Regisseur, der mit dem „Bairischen Hiasl“ ein überzeugendes Debüt gegeben hatte, einmal mehr als professionelles Ensemble, das die Balance von Anfang bis Ende konsequent halten kann. Die Bühne ist schlicht und zeitgemäß, ebenso die Kostüme.

Die Theatergemeinde von Windischeschenbach und Neuhaus ließ sich immerhin drei Stunden lang mitnehmen und begeistern und honorierte das Theatererlebnis, eine würdige Jubiläumsleistung, mit langem Beifall.

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